Kommen Kiefern bei uns ursprünglich vor?
Im Nationalpark Teutoburger Wald/Eggegebirge soll die Entwicklung der natürlichen Waldgesellschaften durch einen Prozessschutz ermöglicht werden. Letztlich soll in der Kernzone des Nationalparks wieder ein vom Menschen so wenig wie möglich beeinflusster Urwald aus den einheimischen Baumarten entstehen.
Aufgrund der Standortbedingungen werden sich auf Kalksteinstandorten die unterschiedlichsten Buchenwaldgesellschaften entwickeln. Die Kuppenlagen des Teutoburger Waldes tragen heute schon ganz überwiegend Buchenbestände.
Was aber ist mit den Sandstandorten, die von der Senne her kommend bis in das Mittelgebirge reichen? Auf den Schwemmsanden und Sandeinwehungen sind heute großflächig Kiefern, Fichten, Lärchen und Douglasien verbreitet. Diese sind im Zuge der Wiederbewaldung der früheren Sandheideflächen oft mit Nadelgehölzen aufgeforstet worden. Gerade die Kiefer eignet sich dazu hervorragend, weil sie mit den Lebensbedingungen im nährstoffarmen und trockenen Sand vergleichsweise gut zurecht kommt.
Während die großen Schläge der Wald-Kiefer, die sich inzwischen auch durch Naturverjüngung verbreitet, also vom Menschen gepflanzt worden sind, gibt es aber als große Besonderheit in unserer Region auch natürliche Kiefernbestände. Moor-Kiefern wachsen, wie der Name schon vermuten lässt, in den Randbereichen von Hochmooren im Vorland des Teutoburger Waldes.
Sie kommen ebenfalls mit sehr wenig Nährstoffen auf extremen Standorten klar. Dabei haben sie sehr geringe Zuwachsraten. Mannshohe Exemplare können durchaus 30 - 50 Jahre alt sein. Insgesamt wirken diese sehr seltenen und hoch spezialisierten Kiefern fast wie Bonsai-Bäumchen.
Auch die Nadeln der Moor-Kiefern sind erheblich kleiner als die ihrer großen Verwandten. Außerdem stehen die Kiefernnadeln weniger dicht an den Zweigen.
Bei manchen Fragen gibt die Moor-Kiefer den Experten noch Rätsel auf: Ist es eine Unterart der Wald-Kiefer oder eine eigenständige Baumart? Bildet sie lokale Rassen aus? Sind ihre Wuchsorte nach der letzten Eiszeit auf die Moore beschränkt geblieben oder hat sie sich auch auf Sandstandorten ausgebreitet? Hat sie sich mit vom Menschen gepflanzten Wald-Kiefern vermischt?
Sicher ist, dass der Moor-Kiefer unter den verschiedenen Baumarten in der Region ein ganz besonderer Platz gebührt.


