Was ist denn bitteschön ein Hutebaum?

Hutebuche am Bärenstein

Vor der Erfindung und dem großflächigen Einsatz von Kunstdünger konnten nur vergleichsweise wenige landwirtschaftliche Nutzflächen als Acker bewirtschaftet werden. Die Menge des dort geernteten Getreides war gering. Sie reichte kaum für die Menschen. Anders als heute konnte das Vieh kaum mit Getreide gefüttert werden.

Schafe und Ziegen, aber auch Schweine und Rinder wurden damals gehütet, d. h. von Hirten in die oftmals der Allgemeinheit gehörenden Weideflächen getrieben. Auch Waldflächen waren für die Viehweide sehr beliebt. Durch den Viehverbiss wurden die Wälder immer lichter und grasreicher. Letztlich wurde beispielsweise im Teutoburger Wald fast der gesamte Baumbestand beseitigt.

Einige Bäume aber wurden ganz bewusst erhalten oder gepflanzt. Oft wurden sie geschneitelt und vom Vieh verbissen. Dadurch entstanden teilweise bizarre Baumindividuen, die heute durch ihre Wuchsform und ihr hohes Alter auffallen.

Bucheckern unter einer Hutebuche

Buchen und Eichen waren bei den Viehhirten besonders beliebt, weil sie für die Schweineweide im Wald die wichtigste Grundlage waren. Besonders in sog. Mastjahren setzten die Bäume viele Früchte an. Die Schweine wurden in den Wäldern satt und fett.

Gerade die regelmäßig zurück geschnittenen und stark verbissenen Buchen und Eichen trugen besonders große Mengen an Bucheckern und Eicheln. Aus Sicht der Bäume war das sicherlich eine Reaktion auf die regelmäßigen Verletzungen, die vor einem potenziellen Absterben eine besonders starke Vermehrung hervor gerufen haben.

Im Jahr 2009 gab es eine reiche Bucheckern- und Eichelmast im Teutoburger Wald. Nicht nur unter früheren Hutebäumen lagen teilweise dicke Schichten von Waldfrüchten.

 

aus mehreren Stämmen zusammen gewachsene Hutebuche

Noch heute kann man bei manchen Hutebäumen sehen, dass sie aus mehreren zunächst einzelnen Stämmen zusammen gewachsen sind. Dazu sind früher tatsächlich oft mehrere junge Bäume in eine gemeinsame Pflanzgrube gesetzt worden. Teilweise sind aber nach Viehverbiss oder Beschneiden durch den Menschen auch mehrere Stockausschläge aus einem Wurzelstock ausgetrieben und dann miteinander verwachsen.

Die bis heute verbliebenen Hutebäume sind nicht nur kulturhistorisch interessant. Sie haben auch eine große ökologische Bedeutung. Durch ihr hohes Alter sind sie oft bereits morsch und teilweise hohl. So können sie von zahlreichen spezialisierten Totholzbewohnern besiedelt werden. Dabei ist besonders wichtig, dass die Hutebäume früher zumeist recht offen und frei gestanden haben. Diese Standorte waren auch in Waldlagen vergleichsweise warm und besonnt. Daran angepasst sind zahlreiche spezialisierte Insektenarten, die heute sehr selten oder vom Aussterben bedroht sind.

Wälder mit Hutebäumen weisen oft einen dichten Unterwuchs der Stechhülse auf. Diese wurde vom Vieh wegen ihrer stacheligen Blätter verschmäht und so durch die frühere Waldbeweidung gefördert.

Hutebuche in einem dichten Bestand der Stechhülse