Winter
Der Winter ist im Teutoburger Wald oftmals trübe und regnerisch. Wenn es aber eine stabile Kaltfront gibt, bilden Frost, Wind und Schnee einen Zauberwald von seltener Schönheit. Bäume und Sträucher werden mit Raureif überzogen, Schneeverwehungen lagern sich im Windschatten der Kammlagen ab, die Wintersonne vergoldet die Waldkulisse.
Die einheimischen Laubbäume haben im Herbst das Laub abgeworfen, um vor den Winterstürmen, Frost und Austrocknung besser geschützt zu sein. Oft bilden Schnee und Eis an den Stämmen und Ästen aber dicke Eispanzer. Immer wieder kommt es dann bei Stürmen vor, dass Bäume unter den zentnerschweren Lasten zusammenbrechen.
Zahlreiche Bäche entspringen im Teutoburger Wald und Eggegebirge. Die größeren von ihnen frieren wegen der großen Fließgeschwindigkeit auch bei starkem Dauerfrost nicht vollständig zu. Wasseramsel, Eisvogel und Gebirgsstelze finden dann weiter ihre Nahrung.
An Felsblöcken, Totholz und Uferrändern bilden sich aber oftmals dicke Eisklumpen.
Härtetest
Die meisten Pflanzen und viele Tierarten halten Winterruhe oder Winterschlaf mit stark verringerter Stoffwechselaktivität. So können sie die kalte und harte Jahreszeit einigermaßen überdauern.
Alle anderen werden im Winter einem regelrechten Härtetest unterzogen: Bei Eis und Schnee ist es schwierig, ausreichend Nahrung zu finden. Dabei ist der Energieverbrauch von kleinen Vögeln und Kleinsäugern besonders hoch. Rotkehlchen, Zaunkönige und die zahlreichen Meisenarten können in naturnahen Wäldern mit Totholz, Strauch- und Krautschichten ausreichend Insekten, Spinnen und andere Nahrung finden. Intensiv genutzte Wirtschaftswälder bieten dagegen gerade im Winter kaum Lebensraum.
Fressen und gefressen werden! Eine Rötelmaus lag frühmorgens nach einer kalten Winternacht auf einem Holz am Waldrand. Vermutlich hatte sie ein Beutegreifer nach erfolgreicher Jagd hier verloren. Bei einer zweiten Kontrolle nach ca. 1 Stunde war die Tiefkühl-Maus verschwunden.
Rötelmäuse sind in unseren Wäldern übrigens die häufigste Mäuseart und im Bestand vollkommen ungefährdet. Sie stellen gerade im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Eulen und Käuze, Füchse und Marder dar. Die Mäuse legen sich zwar einen Vorrat an Bucheckern und anderen Pflanzensamen an, sie müssen zum Fressen aber auch immer wieder den schützenden Bau verlassen.
Grüner Winter?
Tiere und Pflanzen haben sich in vielfältiger und überraschender Weise an die Lebensbedingungen im Winter angepasst. Heute ist klar, dass eine tiefgreifende, von uns Menschen verursachte Klimaveränderung unvermeidbar ist. Welche Auswirkungen dies auf die Lebensgemeinschaften unserer Mittelgebirge haben wird, ist noch weitgehend unklar.
Das Hermelin z. B. ist im Sommer braun, trägt aber zwischen Dezember und April ein weißes Winterfell. Abgesehen von der schwarzen Schwanzspitze und dem markanten Gesicht ist diese kleine Marderart auf Schnee im Winter perfekt getarnt. Das ist wichtig, um selbst nicht von Greifvögeln gefangen und von Beutetieren nicht zu früh gesehen zu werden. Bleibt der Schnee aus, ist ein weißes Hermelin auf grünem Grund - selbst wenn es nur wenig aus einem Mausloch herausschaut - schon von Weitem zu sehen.





