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17 Fragen - 17 Antworten

Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit dem Thema Nationalpark im Allgemeinen und sollen dazu dienen, häufige Fragen zu beantworten.

1. Was ist ein Nationalpark?

Nationalparke repräsentieren in Deutschland das nationale Naturerbe.
Es handelt sich um großflächige Gebiete mit Naturlandschaften, die eine besondere Eigenart und Ursprünglichkeit aufweisen. Sie sind in großen Teilen nicht oder wenig vom Menschen beeinflusst bzw. können in einen Zustand entwickelt werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet. Letztere werden „Zielnationalparke“ genannt. Diese Bezeichnung würde auch für einen Nationalpark in Lippe gelten.

Der überwiegende Teil eines Nationalparkes soll die Vorraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen. Bestehende Schutzgebiete werden in den Nationalparkes integriert, ihre Verordnungen aufgehoben.

2. Welche Ziele werden mit der Einrichtung eines Nationalparkes verfolgt?

Nationalparke sind Landschaften, in denen Natur Natur sein darf.

Nationalparke
- schützen Naturlandschaften,
- fördern die möglichst vom Menschen unbeeinflusste Entwicklung,
- schaffen Rückzugsgebiete für wildlebende Pflanzen und Tiere,
- sichern notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung und Forschung,
- erhöhen die Attraktivität ihrer Region insb. für Naturerleben und Erholung,
- tragen zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Region bei.

3. Wer ist zuständig für die Ausweisung eines Nationalparkes?

Die Ausweisung von Nationalparken erfolgt durch die Bundesländer – im vorliegenden Fall also durch das Land NRW - nach Anhörung des zuständigen Ausschusses des Landtags.

4. Welche Kriterien sollen zur Ausweisung eines Nationalparkes erfüllt sein?

Die Kriterien zur Ausweisung eines Nationalparkes werden vom Bundesnaturschutz- und Landschaftsgesetz allgemein benannt. Weiterhin gibt es internationale Richtlinien der IUCN (Welt-Naturschutz-Union). Die Kriterien sehen vor, dass ein Nationalpark hauptsächlich zum Schutz von Ökosystemen und zu Erholungszwecken etabliert wird. Er soll die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme sichern, diesem Ziel abträgliche Nutzungen ausschließen und Naturerfahrungs-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote fördern.

Die nationalen Qualitätskriterien, die diese Grundlagen berücksichtigen, liegen im Entwurf vor. Sie sehen für deutsche Nationalparke vor, dass diese

- spätestens nach 30 Jahren auf 75% ihres Gebietes den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik schützen sollen,

- großflächig genug sind, um eines oder mehrere vollständige Ökosysteme zu umfassen,

- auf dem überwiegenden Teil der Fläche Ökosysteme mit einem hohen Naturnähegrad und einer für den Standort typischen Artenzusammensetzung aufweisen.

- Lebensräume von internationaler und/oder nationaler Bedeutung enthalten

- durch ökologisch wirksame Korridore mit den für Lebensraum- und Artenschutz wichtigen Flächen ihres Umfeldes verbunden sind,

- keiner dem Schutzzweck entgegenstehenden Nutzung unterliegen,

- mindestens eine Fläche von 10.000 ha umfassen sollen, wobei ausnahmsweise auch ein Gebiet <10000 ha Nationalpark werden kann, wenn es von besonderer internationaler Repräsentativität oder nationaler Einmaligkeit ist.

5. Wie sollen die Eigentumsverhältnisse im Nationalpark sein?

Die Gebietsfläche eines Nationalparkes soll möglichst weitgehend im Eigentum der öffentlichen Hand sein. Soweit dies nicht der Fall ist, sollen dauerhafte Regelungen getroffen werden, um das Erreichen der Nationalpark-Zielsetzung sicherzustellen.

6. Was passiert mit privaten Flächen im Nationalpark?

Analog den Regelungen, wie sie von Naturschutzgebieten bekannt sind, können private Flächen, soweit sie in der Kulisse eines Nationalparkes liegen, auf freiwilliger Basis durch z. B. Ankauf, Landtausch, Pacht oder Nutzungsverträge gesichert werden. Die Umsetzung von Maßnahmen auf privaten Flächen erfolgt ebenfalls ausschließlich auf freiwilliger Basis.

7. Wie sieht die Organisation eines Nationalparkes aus?

Ein Nationalpark braucht eine intensive Betreuung und Begleitung, damit er sich positiv entwickeln kann. Daher wird eine eigene Nationalpark-Verwaltung eingerichtet. Diese ist der obersten Naturschutzbehörde - dem MUNLV - direkt unterstellt.

Die Nationalpark-Verwaltung beschäftigt u.a. sog. Ranger, die Ansprechpartner für Besucher und Anwohner sind. Sie achten u.a. darauf, dass beim Besuch des Nationalparkes die Regeln eingehalten werden.

Zur Sicherung kommunaler Belange kann - wie z.B. in der Eifel - ein Nationalparkausschuss mit entsprechenden Arbeitsgruppen gebildet sowie ein wissenschaftlicher Beirat vom MUNLV berufen werden.

8. Nach welchen Grundlagen arbeitet die Nationalparkverwaltung?

Die Grundlage für die Arbeit der Nationalparkverwaltung ist die Nationalparkverordnung. Die Nationalparkverordnung legt die Abgrenzung, Schutzzweck und –ziele sowie die Ge- und Verbote fest und ist die Grundlage für das Management. Weiterhin wird in dieser die Aufstellung eines Nationalparkplanes geregelt. Ein zu erstellender Wegeplan ist Bestandteil der Nationalparkverordnung oder des Nationalparkplanes.

Die Nationalpark-Verwaltung legt auf Grundlage des Nationalparkplanes einen jährlichen Maßnahmenplan fest.

9. Stellt das Land Mittel zur Umsetzung des Nationalparkes zur Verfügung?

Grundsätzlich stellt das Land Finanzmittel für den Nationalpark zur Verfügung, wobei besondere Modalitäten im Einzelfall abzuklären sind.

Die finanzielle Ausstattung umfasst die allgemeine Verwaltung, das Management, die Gebietsbetreuung, die Unterhaltung der Erholungsinfrastruktur, Monitoring und Forschung, Kommunikation, Kooperation und Mitwirkung bei der Regionalentwicklung im Nationalpark-Umfeld.
Eine Förderung durch Dritte zur Unterstützung der Ziele des Nationalparkes ist möglich und erwünscht.

10. Welche Auswirkungen hat die Einrichtung eines Nationalparkes für die Öffentlichkeit?

Nationalparke stehen der Öffentlichkeit weiterhin offen. Die Besucherlenkung erfolgt auf der Basis eines Konzeptes durch die Nationalparkverwaltung. Zentrale Anlaufstelle für die Öffentlichkeit und Sitz der Nationalpark-Verwaltung ist ein Nationalpark-Zentrum mit geeigneten Informationseinrichtungen.
Ein Rangerdienst betreut und informiert die Besucher.

11. Welche Auswirkungen hat die Einrichtung eines Nationalparkes für die Land- und Forstwirtschaft?

Der Nationalpark schützt im überwiegenden Teil seines Gebietes den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik. Soweit Nutzungen im Nationalpark vorhanden sind, dürfen sie dem Schutzzweck nicht entgegenstehen und nur auf einem untergeordneten Flächenanteil des Nationalparkes stattfinden. Ziel ist es, Nutzungen die diesen Anspruch nicht erfüllen, zum nächstmöglichen Zeitpunkt – soweit realisierbar, längstens nach einer Frist von 30 Jahren nach Erklärung eines Gebietes zum Nationalpark – anzupassen.

12. Gibt es einen Umgebungsschutz für den Nationalpark?

Nein. Es gibt keinen gesetzlich definierten Umgebungsschutz.

13. Welchen Nutzen haben Nationalparke?

Nationalparke haben neben der Sicherung verschiedener Ökosysteme auch eine besondere Bedeutung für die Regionalentwicklung.

Im Einzelnen können folgende Schwerpunkte benannt werden:

- Steigerung des Wiedererkennungswertes von Regionen durch Nationalparke,

- touristische Aufwertung einer Region mit nachweislich ansteigenden Besucherzahlen,

- Förderung des Inland-Tourismus durch Erweiterung der touristischen Angebotspalette,

- breite Natur- und Umweltsensibilisierung für die Öffentlichkeit,

- Umweltbildung,

- Sicherung genetischen Materials.

- Experimentierfeld für die Forstwirtschaft, mit möglichen Rückschlüssen für ein anderes dauerhaft umweltgerechtes und damit auch ökonomisch effizienteres Wirtschaften.

14. Welche Bereiche könnten in Lippe Kulisse für einen Nationalpark sein?

Geeignete Flächen für einen Nationalpark in Lippe gibt es im Bereich des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges.

15. Welche Besonderheiten sind in der genannten Kulisse zu finden?

Die angedachte Nationalparkkulisse zeichnet sich durch eine sehr hohe Diversität von Lebensräumen aus, die insbesondere aufgrund von unterschiedlichen Ausgangsgesteinen mit eiszeitlichen Überformungen entstanden ist. Es ist ein einzigartiges Nebeneinander sowie eine enge Verzahnung von Lebensräumen auf Kalkstandorten und an Sand bzw. Sandstein gebundenen Lebensräumen entstanden.

Insbesondere sind hier folgende Lebensräume zu nennen:

-Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwälder unterschiedlicher Ausprägung,
-Erlen-Eschen- und Weichholz-Auenwälder,
-Moorwald,
-Schlucht- und Hangmischwälder,
-lebende Hochmoore,
-Übergangs- und Schwingrasenmoore,
-trockene Heidegebiete,
-Sandheiden,
-feuchte Heidegebiete mit Glockenheide,
-touristisch nicht erschlossene Höhlen,
-Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation.


16. Wo stehen wir in Lippe und wie geht es weiter?

Nach intensiver Prüfung hat die zuständige Landesbehörde die Nationalparkeignung eines ca. 8.600 ha großen Bereiches des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges bestätigt. Damit ist die 1. Stufe der Bearbeitung - die Erstellung der fachlichen Basis - abgeschlossen.

In der 2. Stufe soll im Diskussionsprozess mit den Grundstückseigentümern und den regionalen Akteuren ein Konsens für die Ausweisung eines Nationalparks erreicht werden. Dazu werden zur Zeit intensive Gespräche und Abstimmungen geführt.

Als 3. Stufe der Bearbeitung soll danach durch geeigente Informationsveranstaltungen der Nationalpark Teutoburger Wald auch in der Öffentlichkeit verankert werden. Das Projektziel kann nur erreicht werden, wenn in der Region ein breiter Konsens pro Nationalpark hergestellt wird!


17. Wo gibt es weitere Informationen?

Weitere Infos bekommen Sie bei

Petra Dreher Tel. 05231/ 62-633
Hildegund Kapper Tel. 05231/ 62-630
Jens Omilian Tel. 05231/ 62-632